Checkliste Gitarrenkauf

Checkliste für den Gitarrenkauf

Diese Checkliste soll als Orientierungshilfe für den Erstkauf dienen, berät also Gitarren im Einsteigersegment. (Preisbereich 200-500€)

Abb.1: Aus "Crossroads" (c) Columbia (1986)

Grundsätzliches

1. Nimm jemanden, der sich auskennt zum Gitarrenkauf mit. Das kann dein Lehrer sein, oder jemand anderer, der bereits Erfahrung mit Gitarren hat.

2. Vergleiche die Preise. Einsteigergitarren werden inzwischen fast zur Gänze in China oder ähnlichen Billiglohnländern gefertigt, von höheren Preisen profitiert ausschließlich der Händler. Achte darauf, ob du durch Aktionen wirklich den besten Preis bekommst.

3. Unterstütze lokale Musikhändler, so lange es sie noch gibt. Achte allerdings darauf, dass man dir keinen Ladenhüter verkauft --> siehe 1.

4. Lass dir von jemandem auf der Gitarre vorspielen. (Wenn man selbst spielt, hört man den Sound der Gitarre nicht aus der Publikumsperspektive)

5. Lass dich nicht zum Kauf drängen, schlafe eine Nacht darüber und lass dir die Gitarre ggf. im Musikhaus reservieren.

6. Bundreinheit, das allerwichtigste bei jeder Gitarre; jeder der Grundlagenwissen um Gitarren besitzt wird dir diese bei einem Neuinstrument bestätigen und zeigen können. 

7. Kaufe bei einem ausgewiesenen Fachhändler. Ein Elektronikgroßmarkt oder ein Supermarkt ist KEIN Ort, um ein Musikinstrument zu kaufen.

 

 

Kaufberatung

Klassische/Spanische Konzertgitarre mit Nylonsaiten:

1. Achte darauf, dass das Instrument mindestens eine massive Decke aufweist. Dies muss in der Produktbeschreibung vermerkt sein. Vorsicht! Lass dich nicht von Wörtern wie "High Tech Press" oder "massive laminated Fichte" oder ähnliches täuschen. Lass dir vom Händler bestätigen, dass es sich tatsächlich um ein Produkt mit Massivholz als Decke (Der Teil der Gitarre, der schwingt) handelt.

2. Die Decke muss aus Zeder oder Fichte sein. Tropenhölzer zerstören den Regenwald und bringen nur selten klangliche Vorteile. Sie sind lediglich billiger in der Herstellung.

3. Die Saitenlage darf nicht zu hoch sein. Bring ein Lineal mit, die tiefe E-Saite sollte max. 4mm vom Griffbrett entfernt sein. Die Hersteller verkaufen klassische Gitarren gerne mit hoher Saitenlage, da das Instrument dadurch lauter klingt. Für uns als Gitarristen heißt dies allerdings, dass wir extrem viel Kraft beim Greifen aufwenden müssen.

4. Achte auf die Stimmstabilität. Das Instrument sollte sich innerhalb deines Besuchs im Musikgeschäft nicht verstimmen, außer sie wurde erst besaitet.

5. Inspiziere die Verarbeitung. Leimreste, Sägespäne oder trüber Lack sind ein Warnzeichen, Finger weg! 

6. Fahre VORSICHTIG mit deiner Hand am Gitarrenhals entlang, die Bünde sollten rechts und links des Griffbretts nicht herausstehen. Falls dies der Fall ist, solltest du vor dem Kauf vom Händler verlangen, die Bünde abzuschleifen. Achtung: Herausstehende Bünde sind ein Zeichen für verzogenes Holz/falsche Lagerung.

7. Falls du die Gitarre direkt aus dem Geschäft kaufst: Frag beim Händler nach, ob er ein ungespieltes Instrument lagernd hat. Die Vorführmodelle hatten meistens schon einige vor dir in der Hand; meine Präferenz ist, dass ich ein neues Instrument als erster in der Hand halte. Dies ist allerdings nur meine persönliche Präferenz. 

8. Erkundige dich nach der Möglichkeit eines Umtausches für den Fall, dass dir die Gitarre warum auch immer zuhause nicht mehr gefällt.

9. Verzichte auf Schnickschnack wie eingebaute Stimmgeräte, Tonabnehmer oder Gurtpins. Je weniger die Gitarre am Schwingen hindert, desto besser. In diesem Preisbereich sind Tonabnehmer meistens nur Verlegenheitslösungen und sind für den verstärkten Einsatz meist klanglich ungeeignet. Falls du darauf angewiesen sein solltest, empfehle ich ein hochwertiges Abnahmesystem nachzurüsten.

10. Vorsicht bei bekannten E-Gitarrenmarken. Währen beispielsweise Fender großartige E-Gitarren baut, sind die Nylon-Modelle eher im Ramsch-Segment einzuordnen.

11. Egal, wie gerne du eine schwarze, weiße, grüne Gitarre hättest, kaufe ausschließlich Gitarren, auf denen die Maserung des Holzes sichtbar ist. Von farblackierten Akustikgitarren ist prinzipiell abzuraten. (Ausnahme: Carbongitarren)

 

Westerngitarre:

Warnung vorweg - Westerngitarren besitzen Stahlsaiten mit meist relativ hoher Saitenlage, ich rate Anfängern daher davon ab, direkt mit dieser Art von Gitarren zu beginnen, da das Üben anfangs sehr schmerzhaft sein kann.

Abgesehen davon hier meine Tipps zu Westerngitarren

1. Spielgefühl, die Gitarre muss gut in der Hand liegen und angenehm zu spielen sein. Der schönste Klang ist nutzlos, wenn das Gitarrespielen schmerzt.

2. Sound, das Instrument soll ein ausgeglichenes Klangverhalten haben. Viel Bass klingt zwar zuerst beeindruckend, geht aber zu Lasten der klanglichen Präsenz und Projektion. Das Plektrum und die Saitenwahl spielen zudem eine große Rolle

3. Hinsichtlich des Holzes gelten die gleichen Regeln wie bei Klassikgitarren (siehe oben).

4. BLINDTEST! Wähle immer das Instrument, das am schönsten klingt. Die Optik ist ein Verkaufstrick, gute Gitarren brauchen kein Bling-Bling.

5. Piezo Tonabnehmer sind zu 90% unbrauchbar. Wenn du deine Gitarre verstärken willst, investiere in einen Magnettonabnehmer, den man ins Schallloch klemmt und einfach einbauen kann.

6. Setup, vereinbare einen Servicetermin mit dem Händler ca. 2-3 Monate nach dem Kaufdatum.

7. Achte auf "Wolfstöne", bei günstigen aber auch weniger günstigen Instrumenten kommt es vor, dass manche Töne nicht erklingen, obwohl sie korrekt gegriffen werden. Ziehe hier ggf. einen befreundeten Gitarristen mit Fachkenntnissen oder deinen Lehrer zu Rate.

 

E-Gitarre

1. Egal, was dir der Verkäufer erzählt, bei solidbody E-Gitarren spielt das Holz des Gitarrenkörpers keine Rolle. Der YouTuber DylanTalksTone bereits eindrucksvoll erwiesen, dass sogar ein Gitarrenhals auf einem Gartenzaun mit Saiten bespannt wie eine legendäre Telecaster klingen kann. Die Antwort liegt in der physikalischen Tonerzeugung von E-Gitarren, die über ein Magnetfeld (Tonabnehmer) zu einem elektr. Signal umgewandelt wird.

2. Bespielbarkeit, siehe oben. Hier trifft das selbe zu, nur kann die Saitenlage viel niedriger sein.

3. Verarbeitung, öffne das Instrument oder bitte den Händler darum. Sieh dir die Verkabelung und die Verarbeitung abseits der schönen äußeren Hülle an.

4. Besorge dir einen kleinen, leichten Verstärker, du wirst es nicht bereuen.

5. Teste die Regler auf Knacksen oder Rauschen, teste die Tonabnehmereinstellungen.

6. Achte darauf, dass die Gitarre leicht ist, du wirst sie viel im Stehen spielen.

7. Besorge dir einen bequemen Gurt und eine bequeme Tasche für die Gitarre. Spätestens nach einem Jahr wird es dir auf die Nerven gehen, einen Koffer mit dir herumzuschleppen, auch wenn diese Variante das Instrument besser schützt und "cooler" aussieht.

8. Sieh dich am Gebrauchtmarkt um. E-Gitarren haben nicht die selben Alterserscheinungen wie Akustikgitarren und können auch nach 20 Jahren noch bedenkenlos gekauft werden. Hier sollte man nur einen Blick ins Innere der Gitarre werfen.

9. "Made in USA" ist KEIN Qualitätsmerkmal mehr. Japanische Gitarren sind meiner Erfahrung nach derzeit qualitativ und handwerklich allem überlegen, was aus den USA kommt. (wenn man >5000$ Boutique-Instrumente außen vorläßt.)

10. Ein teures Instrument macht dich nicht zu einem besseren Musiker. Die besten Instrumente findet man meiner Ansicht nach im Bereich zwischen 600-800€; es gibt allerdings auch hervorragende E-Gitarren für deutlich weniger Budget.

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